Die Krönung des ersten
preußischen Königs Friedrich I. im

Krönungszug

Über 20 Kupferstichtafeln illustrieren einen Festakt


Die erste preußische Krönung im Jahr 1701

Die Krönung Friedrichs I. im Jahre 1701 zum ersten König in Preußen ist ein Meilenstein der preußischen Geschichte. Die Kupferstiche – angefertigt von Johann Georg Wolfgang im Auftrag des neuen Königs – dokumentieren Krönungsakt, Prozession, Salbung und Feierlichkeiten und warben beim höfischen Publikum um die Anerkennung des neuen Status.



Der Ursprung der preußischen Krone lag nicht in Erbschaft, Krieg, Wahl oder Erhebung. Die preußische Krone wurde auf diplomatischem Weg in Verhandlungen mit dem Kaiser des Heiligen Römischen Reichs neu geschaffen. Dabei wirkten sich die politischen Umstände günstig auf das Vorhaben aus, sorgten aber auch dafür, dass die preußische Krönung nicht die gewünschte Aufmerksamkeit erhielt.


Das sollte die Kupferstichfolge zur Krönung ändern, die 1712 begleitend zu dem Bericht Preußische Krönungsgeschichte des Oberzeremonienmeisters Johann von Besser herausgegeben wurde. Diese Festbeschreibung hielt die zeremonielle Inszenierung der Krönung dauerhaft fest und trug zur Machtentfaltung bei. Die ausführliche Kommentierung durch Besser bietet heute den großen Vorteil, dass Entscheidungen zum Ablauf der Krönung nachvollzogen werden können. Bilder und Text stellen zusammen die wichtigste Quelle zum Hergang der ersten preußischen Krönung dar, auch wenn es sich keinesfalls um einen Tatsachenbericht handelte.


Während der Krönung Friedrichs I. – und deshalb auch in der Kupferstichfolge – geschah nichts zufällig. Zeremoniell und Protokoll gehörten im absolutistischen Zeitalter um 1700 zum höfischen Alltagsgeschäft. Deshalb war der zeremonielle Ablauf der Krönungsfeierlichkeiten von Friedrich und seinem Beraterstab sorgfältig inszeniert und gibt Aufschluss über das Selbstverständnis des ersten preußischen Königs.





Ausschnitt aus dem Krönungszug: Der König auf dem Weg in die Schlosskirche. SBB-PK. Public Domain Mark 1.0


Porträt Friedrichs I. aus dem Krönungszug. SBB-PK. Public Domain Mark 1.0

Johann von Besser brachte seine Krönungsgeschichte in einer ersten Druckfassung bereits 1702 – und damit ein Jahr nach der Krönung – heraus. Die zweite Ausgabe mit den begleitenden Kupferstichen folgte aber erst 1712. Die illustrierenden Kupferstiche in der vorliegenden Anzahl und Größe steigerten die Bedeutung der Krönung und des dazugehörigen Festbuchs zwar enorm, waren in ihrer Herstellung aber teuer und zeitaufwendig.

Der Produktionsablauf zeigt, dass keine realitätsgetreue Darstellung, sondern die zeremonielle Inszenierung im Vordergrund stand. Zwar war Johann von Besser bei der Krönung selbst anwesend und griff bei seinem Bericht auf eigene Beobachtungen zurück. Ob das jedoch auch für den Maler Johann Friedrich Wentzel (1670–1729) galt, der die Zeichnungen zu der Bildfolge anfertigte, bleibt bis heute unklar. Nach den Zeichnungen stellte der Kupferstecher Johann Georg Wolfgang (1664–1744), der erst 1704 als Hofkupferstecher an den Berliner Hof kam, die Druckplatten her, von denen eine limitierte Anzahl an Abzügen gemacht wurde.

Der Wunsch nach Gleichberechtigung

Friedrich sah sein Streben nach einem Königstitel für die Hohenzollern gerechtfertigt: Die verwandtschaftlichen Verbindungen, politischen Bündnisse, der große Herrschaftsbereich, das große Kriegsheer und die prächtige Ausstattung des Hofes bewiesen bereits königlichen Status. Als Kurfürst war er gewissermaßen Königen gleich und nur dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches untergeordnet. Doch es mangelte an der Anerkennung dieser Gleichberechtigung gegenüber Königen außerhalb des Reiches. Auch die ‚Monarchisierung‘ deutscher Fürstenhäuser Ende des 17. Jahrhunderts – Wilhelm von Oranien bestieg den englischen Thron und der sächsische Kurfürst wurde König von Polen – bestätigte Friedrich in seinem Streben nach der Königskrone.

Der gescheiterte erste Versuch

Im ersten Anlauf lehnte Kaiser Leopold I. im Jahr 1693 den Wunsch des Kurfürsten nach einer Königswürde allerdings ab. Zwar wollte Friedrich ein von Kaiser und Reich unabhängiges Königtum, doch die Zustimmung des Kaisers war dennoch wichtig. Denn ein Titel galt nichts, wenn andere ihn nicht anerkannten. Das kaiserliche Einverständnis sollte daher eine zügige Anerkennung seiner Rangerhöhung durch die anderen europäischen Fürsten garantieren.

Endlich erfolgreich!

Im Jahr 1698 spielte dem brandenburgischen Kurfürsten der Streit um die Erbfolge des kinderlosen Karl II. von Spanien in die Hände, der sich vor allem zwischen dem Kaiser und dem französischen König austrug. Mit dem Tod Karls II. am 1. November 1700 wurde ein militärisches Aufeinandertreffen der beiden Großmächte immer wahrscheinlicher. Der Kaiser geriet unter Druck und bemühte sich um die Unterstützung des brandenburgischen Kurfürsten. Er brachte daher die Verhandlungen um die preußische Königswürde zu einem schnellen Abschluss. Im Krontraktat vom 27. November 1700 sicherte Kaiser Leopold I. seine Anerkennung zu. Im Gegenzug verpflichtete sich Friedrich, den Kaiser im Falle eines bewaffneten Konflikts um die spanische Erbfolge mit Soldaten zu unterstützen.

Friedrich aus dem Haus Hohenzollern war ab 1688 Kurfürst von Brandenburg (als Friedrich III.) und ab 1701 König in Preußen (als Friedrich I.). Er war ein typischer Fürst seiner Zeit mit ausgeprägtem Repräsentationsbedürfnis und Rangbewusstsein. Der Erwerb der preußischen Krone war einer seiner größten Erfolge und diente auch der Einheit der verstreuten Territorien in Preußen und Brandenburg, die bisher allein durch die Person des Herrschers zusammengehalten wurden und keinen gemeinsamen Namen trugen.

Brandenburg und Preußen erlebten unter seiner Regierung eine kulturelle Blütezeit. Friedrich brachte Künstler und Wissenschaftler an seinen Hof und ließ Berlin zur barocken Residenzstadt umbauen. Der große Hofstaat, prachtvolle Residenzen, luxuriöser Lebensstil waren Friedrichs Statussymbole, die aber die Ausgaben immens steigerten. Deshalb prägten auch arg belastete Staatsfinanzen und Korruption seine Regentschaft.

Johann von Besser wurde von Friedrich für seine Kenntnisse im europäischen Zeremoniell sehr geschätzt und 1690 zum ersten Zeremonienmeister am brandenburgischen Hof ernannt. In dieser Funktion war er für die Einführung von auswärtigen Gesandten am Hof zuständig und beschäftigte sich mit der zeremoniellen Positionierung der Hohenzollern im Gefüge der europäischen Herrscher. Ein Höhepunkt seiner Karriere war die Inszenierung der preußischen Königskrönung, an deren Vorbereitung und Durchführung er als Oberzeremonienmeister beteiligt war.

Porträt von Johann von Besser, angefertigt von dem Kupferstecher Martin Bernigeroth vor 1733. SBB-PK. Public Domain Mark 1.0
Porträt von Johann von Besser,
angefertigt von dem Kupferstecher
Martin Bernigeroth, vor 1733.
SBB-PK. Public Domain Mark 1.0

Übersicht der Kupferplatten

In dieser Übersicht finden Sie alle Kupferstichtafeln des Krönungszugs. Einzelne Tafeln können direkt ausgewählt werden, um nähere Informationen zu erhalten und zu einer größeren Ansicht der Tafel zu gelangen.

Direkt zu Tafel 1

Die Proklamation der preußischen Krone

Zu Tafel 1

Stiftung des Ritterordens, Krönung und Inthronisation

Zu Tafel 2

Beginn der Prozession und Empfang durch die Bischöfe bei der Kirche

Zu Tafel 3

Der erste Chor

Zu Tafel 4

Der Hofmarschall, der Oberschenk und die königlichen Kollegien

Zu Tafel 5

Die Amtsträger des Hofhalsgerichts

Zu Tafel 6

Die kirchlichen Amtsträger und die Delegierten der Universität

Zu Tafel 7

Die Herren Hofgerichtsräte und die Mitglieder des Königsberger Tribunals

Zu Tafel 8

Die Abgeordneten der preußischen Stände

Zu Tafel 9

Die Delegierten der Städte, der Ritterschaft und des Herrenstandes

Zu Tafel 10

Die Hofleute, Minister und wirklich Geheimen Räte

Zu Tafel 11

Die Geheimen Räte

Zu Tafel 12

Der zweite Chor

Zu Tafel 13

Die Obermarschälle und die Hundertschweizer

Zu Tafel 14

Die preußischen Oberräte mit den Reichsinsignien und der Kronprinz

Zu Tafel 15

Seine Majestät, der König

Zu Tafel 16

Ihre Majestät, die Königin

Zu Tafel 17

Die königlich preußische Salbung

Zu Tafel 18

Die öffentliche Inthronisation

Zu Tafel 19

Das Auswerfen der Krönungsmünzen und Preisgeben des Tuchs

Zu Tafel 20

Der gebratene Ochse und zwei Weinbrunnen

Zu Tafel 21

Tafel 1


Die Proklamation
der preußischen Krone

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„Demnach es ist durch die allweise Vorsehung Gottes dahin gediehen: dass dieses bisherige Hertzogthum Preussen zu einem Königreich aufgerichtet und desselben Souverain der Allerdurchlauchtigste Großmächtigste Fürst und Herr, Herr Friderich König in Preussen geworden: So wird solches hiemit manniglich kund gethan, publiciret und ausgeruffen: Lange Lebe Friderich, unser Allergnädigster König! Lange Lebe Sophie Charlotte, unsere Allergnädigste Königin!“

Moritz Holzendorf, Erster Herold

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Königsberg

Königsberg war die Residenzstadt des Herzogtums Preußen und wurde deshalb als Ort der Krönungszeremonie ausgewählt. Das Herzogtum Preußen war 1525 aus dem Staat des katholischen Deutschen Ordens geschaffen worden, hatte zunächst unter der Lehnsherrschaft des Königs von Polen gestanden und war 1657 ein unabhängiges und souveränes Herzogtum geworden.


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„Demnach es ist durch die allweise Vorsehung Gottes dahin gediehen: dass dieses bisherige Hertzogthum Preussen zu einem Königreich aufgerichtet und desselben Souverain der Allerdurchlauchtigste Großmächtigste Fürst und Herr, Herr Friderich König in Preussen geworden: So wird solches hiemit manniglich kund gethan, publiciret und ausgeruffen: Lange Lebe Friderich, unser Allergnädigster König! Lange Lebe Sophie Charlotte, unsere Allergnädigste Königin!“

Moritz Holzendorf, Erster Herold

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Königsberg

Königsberg war die Residenzstadt des Herzogtums Preußen und wurde deshalb als Ort der Krönungszeremonie ausgewählt. Das Herzogtum Preußen war 1525 aus dem Staat des katholischen Deutschen Ordens geschaffen worden, hatte zunächst unter der Lehnsherrschaft des Königs von Polen gestanden und war 1657 ein unabhängiges und souveränes Herzogtum geworden.



Die Tafeln des Krönungszugs geben die zeitliche Abfolge der Feierlichkeiten wieder. Nach der Zustimmung des Kaisers zur preußischen Rangerhöhung im November 1700 verlor Friedrich keine Zeit und ließ in Berlin die Abreise nach Königsberg vorbereiten. Bereits vor Monaten war im sogenannten Dignitätsconseil, einem Beratergremium, ausgiebig diskutiert worden, wie die Krönung gestaltet sein müsse, um eine schnelle Anerkennung der Rangerhöhung im europäischen Adel zu erlangen. Welche Traditionen des üblichen Krönungszeremoniells mussten unbedingt aufgegriffen und in welchen Punkten konnte davon abgewichen werden?

Bereits am 29. Dezember 1700 erreichte Friedrich Königsberg. Die Proklamation der Krönung erfolgte am 15. Januar 1701 an fünf Orten in und um Königsberg, indem ein Herold das bevorstehende Ereignis verkündete. Diese Tafel zeigt Begeisterung und Jubel in der Bevölkerung Königsbergs. Das Vivat auf König und Königin wird von Pauken und Trompeten begleitet.

König ‚in‘ Preußen

Friedrich ließ sich dabei zum König ‚in‘ Preußen statt ‚von‘ Preußen ausrufen. Das Herzogtum Preußen war zwar – anders als das brandenburgische Kurfürstentum – nicht Teil des Heiligen Römischen Reiches und damit unabhängig und souverän. Dementsprechend verlieh der Kaiser die Königswürde nicht, sondern erkannte sie lediglich an. Doch gleichzeitig gehörten westpreußische Territorien noch zum Königreich Polen, weshalb Friedrich Konflikte vermeiden wollte. Obwohl der Titel damit nicht für die Mark Brandenburg galt, setzte sich in den nächsten Jahrzehnten die Landesbezeichnung Preußen für den gesamten Herrschaftsbereich der Hohenzollern durch.

Tafel 2


Stiftung des Ritterordens,
Krönung und Inthronisation

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1

Das Ritual der Ordensstiftung

Die Verleihung eines Ordens war ein traditionelles Status- und Belohnungsritual. Könige pflegten Ritter zu schlagen, um ihre eigene Macht zu beweisen. Die Verleihung des Ordens stellte außerdem eine besondere Gunst dar, band die Ritter noch enger an den Fürsten und stabilisierte damit dessen Herrschaft. Anders als sonst in Europa üblich wurde der preußische Ritterorden vom Schwarzen Adler noch vor der Krönung Friedrichs gestiftet.

2

Der Orden vom Schwarzen Adler

Der Orden zeigte einen Stern mit gekröntem Adler, der in seinen Klauen einen Lorbeerkranz und Donnerkeile hält. Dazu kam der Wahlspruch ‚Suum cuique‘. Der Adler ist zum einen das Wappentier Friedrichs, zum anderen ein Bildnis der Gerechtigkeit. Auch der Wahlspruch verhieß Gerechtigkeit: ‚Jedem das Seine‘ meinte, jedem das ihm Zustehende zu gewähren.

Dieser Stern des Ordens vom Schwarzen Adler war am Mantel zu tragen. bpk

3

Selbstkrönung

In kleinem höfischen Kreis setzt sich Friedrich in seinem Audienzzimmer selbst die Krone auf. Er zeigt damit den Ursprung der preußischen Krone, die ihm nicht verliehen worden war, sondern die er aus eigener Souveränität und Stiftung sowie Gottes Gnade erhielt.

4

Inthronisation aus eigener Macht

König und Königin nehmen mit Krone, Purpur und Zepter den Thron ein und vollziehen damit die Inthronisation aus eigener Macht.

5

Krönung ohne Huldigung

Auf eine Krönung hatten nur Kaiser und Könige Anspruch, während nicht-königliche Herrscher zu ihrem Regierungsantritt die Huldigung (den Treueeid) ihrer Untertanen entgegennahmen. Einen Huldigungseid hatte Friedrich bereits 1688 bei seinem Antritt als Kurfürst erhalten. Nun grüßten die Höflinge und Vertreter der preußischen Stände in tiefer Verneigung das Herrscherpaar zum ersten Mal als König und Königin.


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Tafel 2 Highlights
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Das Ritual der Ordensstiftung

Die Verleihung eines Ordens war ein traditionelles Status- und Belohnungsritual. Könige pflegten Ritter zu schlagen, um ihre eigene Macht zu beweisen. Die Verleihung des Ordens stellte außerdem eine besondere Gunst dar, band die Ritter noch enger an den Fürsten und stabilisierte damit dessen Herrschaft. Anders als sonst in Europa üblich wurde der preußische Ritterorden vom Schwarzen Adler noch vor der Krönung Friedrichs gestiftet.

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Der Orden vom Schwarzen Adler

Der Orden zeigte einen Stern mit gekröntem Adler, der in seinen Klauen einen Lorbeerkranz und Donnerkeile hält. Dazu kam der Wahlspruch ‚Suum cuique‘. Der Adler ist zum einen das Wappentier Friedrichs, zum anderen ein Bildnis der Gerechtigkeit. Auch der Wahlspruch verhieß Gerechtigkeit: ‚Jedem das Seine‘ meinte, jedem das ihm Zustehende zu gewähren.

Dieser Stern des Ordens vom Schwarzen Adler war am Mantel zu tragen. bpk

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Selbstkrönung

In kleinem höfischen Kreis setzt sich Friedrich in seinem Audienzzimmer selbst die Krone auf. Er zeigt damit den Ursprung der preußischen Krone, die ihm nicht verliehen worden war, sondern die er aus eigener Souveränität und Stiftung sowie Gottes Gnade erhielt.

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Inthronisation aus eigener Macht

König und Königin nehmen mit Krone, Purpur und Zepter den Thron ein und vollziehen damit die Inthronisation aus eigener Macht.

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Krönung ohne Huldigung

Auf eine Krönung hatten nur Kaiser und Könige Anspruch, während nicht-königliche Herrscher zu ihrem Regierungsantritt die Huldigung (den Treueeid) ihrer Untertanen entgegennahmen. Einen Huldigungseid hatte Friedrich bereits 1688 bei seinem Antritt als Kurfürst erhalten. Nun grüßten die Höflinge und Vertreter der preußischen Stände in tiefer Verneigung das Herrscherpaar zum ersten Mal als König und Königin.



Diese Tafel zeigt mehrere Einzelbilder: Auf die Stiftung des Adlerordens am 17. Januar 1701 (unten) folgte die Krönung am 18. Januar im Audienzzimmer Friedrichs (links). Anschließend begab sich der König in das Gemach der Königin, um sie zu krönen (rechts). Daraufhin nahmen die beiden gekrönten Häupter auf ihrem Thron im Königsberger Schloss Platz (oben).

Die Bedeutung der Krönung

Die Einzelbilder zeigen zahlreiche Personen. König und Königin fügen sich in das Gesamtbild ein und sind an ihrer Platzierung zu erkennen.

Bemerkenswert ist die Einordnung der Tafel in der gesamten Abfolge der Kupferstiche: Demnach fand die Krönung noch vor der Prozession und Salbung statt.

Damit wich Friedrich von der üblichen Praxis, dem Empfangen der Krone nach der Salbung, ab. Der symbolträchtige Akt der Krönung wird trotzdem nur als Teil einer Gesamtszenerie dargestellt und damit öffentlichkeitswirksam nicht voll ausgeschöpft. Ein Grund dafür könnte sein, dass eine weltliche Krönung nicht die gleiche Anerkennung und Wertigkeit erreichte wie eine Krönung im sakralen Rahmen.

Tafel 3


Die Bischöfe und weitere Kleriker

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Die Ernennung zweier Bischöfe

Die Salbungszeremonie erforderte traditionellerweise einen Bischof. Friedrich ernannte kurzerhand den reformierten Oberhofprediger Benjamin Ursinus und den Königsberger lutherischen Theologieprofessor Bernhard von Sanden zu Bischöfen. Er berief sich dabei auf die weltliche und geistliche Macht evangelischer Herrscher.

2

Die Ankündigung der Prozession

Der erste Herold verlas die Anwesenden in der Reihenfolge ihres Auftritts in der Prozession. Auf die Herolde, Pagen, Pauker und Trompeter folgten Vertreter der Verwaltung, der Justiz, der Kirche und der Wissenschaften sowie die Höflinge und Geheimen Räte, bevor König und Königin in die Schlosskirche einzogen.


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Die Ernennung zweier Bischöfe

Die Salbungszeremonie erforderte traditionellerweise einen Bischof. Friedrich ernannte kurzerhand den reformierten Oberhofprediger Benjamin Ursinus und den Königsberger lutherischen Theologieprofessor Bernhard von Sanden zu Bischöfen. Er berief sich dabei auf die weltliche und geistliche Macht evangelischer Herrscher.

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Die Ankündigung der Prozession

Der erste Herold verlas die Anwesenden in der Reihenfolge ihres Auftritts in der Prozession. Auf die Herolde, Pagen, Pauker und Trompeter folgten Vertreter der Verwaltung, der Justiz, der Kirche und der Wissenschaften sowie die Höflinge und Geheimen Räte, bevor König und Königin in die Schlosskirche einzogen.



Auf die Krönung und Inthronisation folgte die Prozession zur Schlosskirche, in der die Salbung des Herrscherpaares stattfand. Der Weg war mit Brettern ausgelegt worden, die mit einem roten Tuch bespannt waren. Die Prozession führte nur über den Schlosshof, dennoch waren Reihenfolge und Größe der Prozession genauestens geplant. Je größer die Anzahl und je hochrangiger die Teilnehmenden, desto größer auch die Pracht und Würde der Prozession und damit des Königs. Die Prozession sollte also die Großartigkeit und Erhabenheit des neuen Königs zeigen und damit andere europäische Herrscher dazu veranlassen, den neuen König in ihren Reihen anzuerkennen.



Ein evangelisches Königtum

Bei der Schlosskirche nahmen die Bischöfe die Prozession in Empfang. Friedrich selbst war reformierten Glaubens und strebte ein evangelisches Königtum an. Durch die Anwesenheit eines lutherischen und eines reformierten Bischofs sollte die Union dieser beiden Glaubensrichtungen unter Friedrichs Herrschaft deutlich werden. Der Papst erkannte das neue Königtum zu diesem Zeitpunkt nicht an.

Hof der Schlosskirche

Aufnahme des Schlosshofes mit Blick auf die Schlosskirche in Königsberg, ca. 1890. bpk

Tafel 4


Der erste Chor



Auf die königlichen Diener und Pagen folgte der erste Chor, der die Prozession musikalisch untermalte. Vor dem Pauker wurden die beiden Heerpauken getragen. Ihm folgten zwölf königliche Trompeter. Die Trompeten waren mit Fähnlein geschmückt, die mit dem Reichswappen bestickt waren.

Tafel 5


Der Hofmarschall, der Oberschenk
und die königlichen Kollegien



Der Hofmarschall und der Oberschenk, Hofämter ersten Ranges in der Verwaltung des königlichen Hofes, sind an ihren Marschallstäben zu erkennen. Sie führen die lange Reihe der Mitglieder der königlichen Kollegien an. Zu diesen obersten preußischen Verwaltungsbehörden gehörten mit aufsteigender Bedeutung die Amtskammer, die die landesherrschaftlichen Domänen und Güter verwaltete, sowie die Kanzlei und die Kriegskammer.

Tafel 6


Die Amtsträger des Hofhalsgerichts



Zu den Kollegien zählte außerdem das Hofhalsgericht in Königsberg, das als Strafgericht über Kriminalverbrechen entschied.

Tafel 7


Die kirchlichen Amtsträger und die Delegierten der Universität



In der Prozession folgten die Mitglieder des Konsistoriums als Verwaltungseinheit für die kirchlichen Angelegenheiten in Preußen. Diesen schlossen sich die Delegierten der Königsberger Universität an.

Tafel 8


Die Herren Hofgerichtsräte und die Mitglieder des Königsberger Tribunals



Die Justizbehörden waren außerdem mit zwei weiteren Gruppen in der Prozession vertreten: den Hofgerichtsräten vom Obergericht und den Beamten des Tribunals, einem Appellationsgericht, das bei streitigen Rechtssachen angerufen wurde.

Tafel 9


Die Abgeordneten der preußischen Stände



Diese Tafel der Abgeordneten der Stände scheint mit dem opulenten Zierelement einen hierarchischen Übergang in der Prozession zu markieren. Mit dem folgenden Hofstaat, den eigenen und auswärtigen Ministern und Ratgebern nähert sich die Prozession nun dem engeren Umfeld des Königs.

Tafel 10


Die Delegierten der Städte, der
Ritterschaft und des Herrenstandes



Die preußischen Stände waren mit Delegierten der Städte, der Ritterschaft und des Herrenstands vertreten. Letztere waren Mitglieder des hohen Adels.

Tafel 11


Die Hofleute, Minister und
wirklich Geheimen Räte



Unter den Ministern und Geheimen Räten werden Paul von Fuchs und Wolfgang von Schmettau namentlich erwähnt. Beide zählten zu den Ratgebern des Königs und hatten Friedrich bei den Verhandlungen um den Erwerb der Krone unterstützt und außenpolitisch vertreten. In ihrer ausdrücklichen Benennung ist ein Gunstbeweis zu sehen.



Das gestalterische Konzept

Dennoch sind die beiden Geheimräte auf der Tafel kaum zu identifizieren. Eine Porträtähnlichkeit der Personen wurde offenbar nicht angestrebt.

Auch die Hintergrundgestaltung ist nicht wirklichkeitsgetreu. Die mit Tuch bespannte Wand dient lediglich dazu, Figuren zu platzieren und ihre Namen und Stellungen zu nennen. Die Festbeschreibung konzentriert sich allein auf das Zeremoniell und die bedeutsamen Personen und Handlungen, der Ort und Festteilnehmende am Rande der Prozession werden ausgeblendet. Die zurückhaltende Hintergrundgestaltung der Tafel wird auch Aufwand und Kosten bei der Produktion der Druckplatten gespart haben.

Tafel 12


Die Geheimen Räte

Tafel 12



Die Geheimen Räte waren die höchsten Ratgeber des Fürsten. Sie unterstanden unmittelbar dem König und berieten ihn in wichtigen landesherrschaftlichen Angelegenheiten.

Tafel 13


Der zweite Chor



Vor dem Königspaar und den Reichsinsignien schritt, angeführt von zwei Herolden im Wappenrock, der zweite Chor mit einem Pauker und zwölf Trompetern. Dieser spielte im Wechsel mit dem ersten Chor. So wurde an dieser Stelle der Prozession eine weitere hierarchische Abstufung zum engsten Kreis des Herrscherpaares mit den sie begleitenden hochrangigen Hofämtern eingefügt.

Tafel 14


Die Obermarschälle und die Hundertschweizer



Der Oberrat und Obermarschall Preußens, Christoph von Wallenrodt, schritt den Reichsinsignien zusammen mit dem für den Hofhaushalt zuständigen Oberhofmarschall voraus. Die Leib- und Hofgarde der sogenannten Hundertschweizer begleitete das sich anschließende Gefolge des Königs.

Tafel 15


Die preußischen Oberräte mit den Reichsinsignien und der Kronprinz

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1

Reichssiegel

Das Reichssiegel trug der Kanzler Georg Friedrich von Creytzen als Leiter des amtlichen Schriftverkehrs, der Kanzlei und der Justiz.

2

Reichsapfel

Den Reichsapfel trug Otto Wilhelm von Perbandt, der als Landhofmeister die Aufsicht über die Kammerämter hatte.

3

Reichsschwert

Das Reichsschwert trug der Oberburggraf Christoph Alexander von Rauschke, der in seiner Funktion als Oberrat die Handels- und Finanzangelegenheiten überwachte.

4

Kronprinz Friedrich Wilhelm
(1688–1740)

Der Kronprinz Friedrich Wilhelm wurde von seinem Oberhofmeister und Erzieher Graf Alexander von Dohna-Schlobitten begleitet. Als einziger Sohn des Königs stellte Friedrich Wilhelm die Kontinuität des neuen Königtums sicher. Im Gegensatz zu seinem Vater bevorzugte er eine militärische und sparsame Lebensweise ohne höfisches Zeremoniell und barocke Pracht. Später verzichtete er auf Krönungs- und Salbungszeremonie.


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Das Reichssiegel

Das Reichssiegel trug der Kanzler Georg Friedrich von Creytzen als Leiter des amtlichen Schriftverkehrs, der Kanzlei und der Justiz.

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Reichsapfel

Den Reichsapfel trug Otto Wilhelm von Perbandt, der als Landhofmeister die Aufsicht über die Kammerämter hatte.

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Reichsschwert

Das Reichsschwert trug der Oberburggraf Christoph Alexander von Rauschke, der in seiner Funktion als Oberrat die Handels- und Finanzangelegenheiten überwachte.

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Kronprinz Friedrich Wilhelm
(1688–1740)

Der Kronprinz Friedrich Wilhelm wurde von seinem Oberhofmeister und Erzieher Graf Alexander von Dohna-Schlobitten begleitet. Als einziger Sohn des Königs stellte Friedrich Wilhelm die Kontinuität des neuen Königtums sicher. Im Gegensatz zu seinem Vater bevorzugte er eine militärische und sparsame Lebensweise ohne höfisches Zeremoniell und barocke Pracht. Später verzichtete er auf Krönungs- und Salbungszeremonie.



Unmittelbar vor dem König schritten der Kronprinz und die Oberräte der preußischen Landesregierung, die auf roten Samtkissen einen Teil der Reichsinsignien, die Zeichen königlicher Macht und Herrschaft, trugen. Auf dieser Tafel ist den Künstlern ein Irrtum unterlaufen, indem fälschlicherweise ein Graf von Dohna als Träger des Reichsschwertes benannt wird. Christoph von Dohna-Schlodien durfte zwar rechts neben dem König gehen, ist aber auf den Kupferstichtafeln gar nicht dargestellt.

Tafel 16


Seine Majestät, der König

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Die Krone

Die Krone aus Gold und aneinandergereihten Diamanten ließ Friedrich für die Königskrönung von einem uns unbekannten Berliner Goldschmied anfertigen. Die Juwelen konnten herausgelöst und so auch für andere Zwecke verwendet werden. Teile der Juwelen wurden später in die Krone von Wilhelm II. eingearbeitet.

Diese preußische Königskrone wurde 1889 im Auftrag von Wilhelm II. angefertigt. Der Hofjuwelier Hugo Schaper arbeitete sie nach dem Vorbild der Krone Friedrichs I. und einem Entwurf von Emil Doepler. bpk

2

Das Zepter

Für die Krönung wurde ein kurfürstliches Zepter umgestaltet. Das neue Zepter aus Gold war mit Diamanten und Rubinen besetzt. Auf der Spitze thronte ein Adler, in und unterhalb des Adlers waren zwei große Rubine eingesetzt. Einer der Rubine war ein Geschenk des russischen Zaren Peter der Große bei seinem Besuch in Königsberg im Jahr 1697. Der Rubin stammte aus dessen eigenem Zepter, was als Vorsehung auf das preußische Königreich gedeutet wurde.

3

Johann Casimir Kolbe von Wartenberg
(1643–1712)

Der Oberkämmerer Johann Casimir Kolbe von Wartenberg war einer der erfolgreichsten Günstlinge Friedrichs. Beim Erwerb der Krone hatte er sich zu einem unentbehrlichen Ratgeber gemacht. Das Krönungszeremoniell ist eine Momentaufnahme seines Aufstiegs. Der König übertrug ihm symbolträchtige Aufgaben wie das Tragen der Schleppe des Krönungsmantels. Die Nähe zum König wird allen sichtbar gemacht.

4

Eine Auszeichnung der Familie Dohna

Das Reichsbanner mit dem Adler Preußens als Zeichen der Souveränität des Königs wurde von Christoph Friedrich zu Dohna-Reichertswalde getragen. Dass die Wahl auf ihn fiel, ist außergewöhnlich: Er war zwar Erbe des Hauses Dohna, hatte aber kein Amt inne. Im Krönungszug sind damit in der Nähe des Königs gleich drei Mitglieder aus der preußischen Familie von Dohna vertreten, was auf ihre enge Verbindung zu den Kurfürsten von Brandenburg hinwies.


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Die Krone

Die Krone aus Gold und aneinandergereihten Diamanten ließ Friedrich für die Königskrönung von einem uns unbekannten Berliner Goldschmied anfertigen. Die Juwelen konnten herausgelöst und so auch für andere Zwecke verwendet werden. Teile der Juwelen wurden später in die Krone von Wilhelm II. eingearbeitet.

Diese preußische Königskrone wurde 1889 im Auftrag von Wilhelm II. angefertigt. Der Hofjuwelier Hugo Schaper arbeitete sie nach dem Vorbild der Krone Friedrichs I. und einem Entwurf von Emil Doepler. bpk

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Das Zepter

Für die Krönung wurde ein kurfürstliches Zepter umgestaltet. Das neue Zepter aus Gold war mit Diamanten und Rubinen besetzt. Auf der Spitze thronte ein Adler, in und unterhalb des Adlers waren zwei große Rubine eingesetzt. Einer der Rubine war ein Geschenk des russischen Zaren Peter der Große bei seinem Besuch in Königsberg im Jahr 1697. Der Rubin stammte aus dessen eigenem Zepter, was als Vorsehung auf das preußische Königreich gedeutet wurde.

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Johann Casimir Kolbe von Wartenberg
(1643–1712)

Der Oberkämmerer Johann Casimir Kolbe von Wartenberg war einer der erfolgreichsten Günstlinge Friedrichs. Beim Erwerb der Krone hatte er sich zu einem unentbehrlichen Ratgeber gemacht. Das Krönungszeremoniell ist eine Momentaufnahme seines Aufstiegs. Der König übertrug ihm symbolträchtige Aufgaben wie das Tragen der Schleppe des Krönungsmantels. Die Nähe zum König wird allen sichtbar gemacht.

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Eine Auszeichnung der Familie Dohna

Das Reichsbanner mit dem Adler Preußens als Zeichen der Souveränität des Königs wurde von Christoph Friedrich zu Dohna-Reichertswalde getragen. Dass die Wahl auf ihn fiel, ist außergewöhnlich: Er war zwar Erbe des Hauses Dohna, hatte aber kein Amt inne. Im Krönungszug sind damit in der Nähe des Königs gleich drei Mitglieder aus der preußischen Familie von Dohna vertreten, was auf ihre enge Verbindung zu den Kurfürsten von Brandenburg hinwies.



Im hinteren Teil der Prozession erschienen die ranghöchsten Personen, die somit auch zuletzt und mit großem Auftritt in die Schlosskirche eintraten. Unter einem Baldachin, der von zehn Höflingen getragen wurde, darunter Grafen, General-Lieutenants, General-Majore und Kammerherren, schritt der König zur Salbung – unüblicherweise bereits mit Krone auf dem Haupt, Zepter in der Hand und in Purpur gekleidet. Sein Gefolge wird von der Schweizer Garde gesäumt. Zur Rechten des Königs ging der Kommandant der Leibgarde und zur Linken der Capitain der Schweizer Garde.

Tafel 17


Ihre Majestät, die Königin

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1

Königin Sophie Charlotte
(1668–1705)

Die Welfenprinzessin Sophie Charlotte aus dem Haus Braunschweig-Lüneburg, Tochter des ersten Kurfürsten von Hannover, wurde nun doch noch Königin, nachdem eine Eheanbahnung mit dem französischen Thronfolger 1679/80 gescheitert war. An den diplomatischen Anstrengungen zur Erlangung der preußischen Krone hatte sie keinen Anteil genommen, erfüllte aber ihre Repräsentationspflicht. In kostbarer Kleidung und mit reichlich Schmuck stellte sie den Reichtum und Prunk des neuen Königtums zur Schau.

2

Die Brüder des Königs

Die Prinzen Albrecht Friedrich und Christian Ludwig aus der zweiten Ehe des Großen Kurfürsten mit Dorothea von Schleswig-Holstein-Glücksburg werden gemeinhin als ‚Markgrafen zu Brandenburg‘ bezeichnet. Ihr Stammsitz war in Schwedt. Sie waren von Friedrich mit einer hohen Apanage ausgestattet, besaßen aber keine Souveränitätsrechte. Sie profitierten von der preußischen Rangerhöhung und waren nun Prinzen von königlichem Geblüt.

3

Die Schleppe

Wie begehrt die Nähe zum Herrscherpaar im Krönungszug war, zeigt ein Streit im Vorfeld der Krönung. Es ging um die Gunst, bei der Prozession die Schleppe des Krönungsmantels der Königin zu tragen. Offenbar hatte auch die Ehefrau des Favoriten Johann Casimir Kolbe von Wartenberg diese Ehre für sich beansprucht und war nur mit Mühe davon abgebracht worden.

4

Luise Charlotte, Herzogin von Holstein-Beck
(1658–1740)

Luise Charlotte war die Nichte von Friedrichs Stiefmutter Dorothea. 1687 war sie nach dem plötzlichen Tod von Friedrichs Bruder Ludwig eines Giftkomplotts verdächtigt und angeblich zusammen mit ihrem Ehemann nach Ostpreußen entfernt worden. Vorbehalte angesichts dieses Hofklatschs sind hier nicht zu bemerken. Im Gegenteil: Herzog und Herzogin nehmen bedeutende Positionen im Gefolge der Königin ein.


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Königin Sophie Charlotte
(1668–1705)

Die Welfenprinzessin Sophie Charlotte aus dem Haus Braunschweig-Lüneburg, Tochter des ersten Kurfürsten von Hannover, wurde nun doch noch Königin, nachdem eine Eheanbahnung mit dem französischen Thronfolger 1679/80 gescheitert war. An den diplomatischen Anstrengungen zur Erlangung der preußischen Krone hatte sie keinen Anteil genommen, erfüllte aber ihre Repräsentationspflicht. In kostbarer Kleidung und mit reichlich Schmuck stellte sie den Reichtum und Prunk des neuen Königtums zur Schau.

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Die Brüder des Königs

Die Prinzen Albrecht Friedrich und Christian Ludwig aus der zweiten Ehe des Großen Kurfürsten mit Dorothea von Schleswig-Holstein-Glücksburg werden gemeinhin als ‚Markgrafen zu Brandenburg‘ bezeichnet. Ihr Stammsitz war in Schwedt. Sie waren von Friedrich mit einer hohen Apanage ausgestattet, besaßen aber keine Souveränitätsrechte. Sie profitierten von der preußischen Rangerhöhung und waren nun Prinzen von königlichem Geblüt.

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Die Schleppe

Wie begehrt die Nähe zum Herrscherpaar im Krönungszug war, zeigt ein Streit im Vorfeld der Krönung. Es ging um die Gunst, bei der Prozession die Schleppe des Krönungsmantels der Königin zu tragen. Offenbar hatte auch die Ehefrau des Favoriten Johann Casimir Kolbe von Wartenberg diese Ehre für sich beansprucht und war nur mit Mühe davon abgebracht worden.

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Luise Charlotte, Herzogin von Holstein-Beck
(1658–1740)

Luise Charlotte war die Nichte von Friedrichs Stiefmutter Dorothea. 1687 war sie nach dem plötzlichen Tod von Friedrichs Bruder Ludwig eines Giftkomplotts verdächtigt und angeblich zusammen mit ihrem Ehemann nach Ostpreußen entfernt worden. Vorbehalte angesichts dieses Hofklatschs sind hier nicht zu bemerken. Im Gegenteil: Herzog und Herzogin nehmen bedeutende Positionen im Gefolge der Königin ein.



Das Gefolge der Königin wird vom Statthalter in Preußen, Herzog Friedrich Ludwig von Holstein-Beck, angeführt. Flankiert wird die Königin von den beiden jüngeren Stiefbrüdern des Königs, den sogenannten Markgrafen. Die beiden Oberhofmeisterinnen tragen die Schleppe ihres Mantels, hinter ihr geht die Herzogin von Holstein. Anschließend folgen die Prinzessin von Holstein, die Hoffräulein der Königin und die Adeligen der Stadt.



Der abwesende Markgraf

Doch auch Abwesende sind hier bemerkenswert. Unter den Stiefbrüdern des Königs fehlt der Älteste und Zweite in der Thronfolge. Prinz Philipp Wilhelm ließ sich wegen der Niederkunft seiner Gemahlin entschuldigen. Sein Fernbleiben bei der Krönung akzeptierte Friedrich aber wohl nur, da dem nun königlichen Haus ein neuer Prinz geboren wurde.

Denn ansonsten bestand Friedrich auf der Gegenwart der Prinzen am Hof. Das hängt auch mit seinem modernen Monarchieverständnis nach dem Vorbild Frankreichs zusammen: Er etablierte die Nachkommen aus der zweiten Ehe seines Vaters als potenzielle Thronfolger und band sie an die Hauptlinie der Hohenzollern, anstatt eine konkurrierende Nebenlinie zu schaffen.



Die späte Ankunft der Herzogin von Kurland

Ebenso auffällig: die Abwesenheit der Stiefschwester Friedrichs, Elisabeth Sophie Herzogin von Kurland. Sie wird mit einer späten Ankunft entschuldigt, sodass die Herzogin und ihr Sohn zwar nicht an der Prozession teilnahmen, aber der Salbungszeremonie in der Kirche zusahen. Nach dem Tod ihres Ehemannes 1698 war die Stiefschwester Friedrichs am Hof in Kurland in einen Vormundschaftsstreit für ihren minderjährigen Sohn verwickelt worden. Als 1700 der Nordische Krieg über Kurland und Polen hereinbrach, floh sie mit ihren Kindern zu ihrem Bruder.

Tafel 18


Die Salbung

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König von Gottes Gnaden

Nach der Predigt begab sich der König zur Salbung zum Altar. Er wies seinen Oberkämmerer an, dem Bischof das Salböl zu reichen, und legte selbst Krone und Zepter neben sich ab und nahm diese nach der Salbung wieder auf. Damit zeigte er: Diese Insignien der Macht und damit die königliche Würde verdankte er nur Gottes Gnade und sich selbst.

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„Eure Königliche Majestät empfahen [= empfangen] und nehmen auf diese Salbung als ein göttliches Wahrzeichen dadurch Gott ehemals durch Seine Priester und Propheten denen Königen Seines Volks bezeugen lassen: dass Er selbst der höchste Gott Sie zu Königen gemacht, eingesetzet und verordnet hat; Und der Herr unser Gott salbe hierbey auch selbsten mit dem Heiligen Geiste Eure Königliche Majestät!…“

Benjamin Ursinus, Bischof

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Ein weiterer Gunstbeweis für den Oberkämmerer

Dem Oberkämmerer und Favoriten Johann Casimir Kolbe von Wartenberg kam auch bei der Salbung eine herausragende Rolle zu, womit Friedrich ihm wiederum seine Gunst bewies. Er überreichte dem Bischof das Salböl, legte die Stirn des Königs zur Salbung frei, indem er die Perücke nach oben verschob, und wischte nach der Salbung das Öl ab.


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König von Gottes Gnaden

Nach der Predigt begab sich der König zur Salbung zum Altar. Er wies seinen Oberkämmerer an, dem Bischof das Salböl zu reichen, und legte selbst Krone und Zepter neben sich ab und nahm diese nach der Salbung wieder auf. Damit zeigte er: Diese Insignien der Macht und damit die königliche Würde verdankte er nur Gottes Gnade und sich selbst.

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„Eure Königliche Majestät empfahen [= empfangen] und nehmen auf diese Salbung als ein göttliches Wahrzeichen dadurch Gott ehemals durch Seine Priester und Propheten denen Königen Seines Volks bezeugen lassen: dass Er selbst der höchste Gott Sie zu Königen gemacht, eingesetzet und verordnet hat; Und der Herr unser Gott salbe hierbey auch selbsten mit dem Heiligen Geiste Eure Königliche Majestät!…“

Benjamin Ursinus, Bischof

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Ein weiterer Gunstbeweis für den Oberkämmerer

Dem Oberkämmerer und Favoriten Johann Casimir Kolbe von Wartenberg kam auch bei der Salbung eine herausragende Rolle zu, womit Friedrich ihm wiederum seine Gunst bewies. Er überreichte dem Bischof das Salböl, legte die Stirn des Königs zur Salbung frei, indem er die Perücke nach oben verschob, und wischte nach der Salbung das Öl ab.



Die Salbung fand in der Schlosskirche statt. Sie wurde zu diesem Anlass ausgeschmückt und umgestaltet, um einer großen Menge Platz zu schaffen. Der Altar war in der Mitte der Kirche platziert, die Zeremonie von allen Seiten einsehbar. Auch auf dem Kupferstich ist er ins Zentrum gerückt. Bemerkenswert ist nicht nur die Symmetrie der Gesamtgestaltung. Die Menge an Zuschauern wirkt überwältigend, was die Bedeutung des Ereignisses unterstreicht.


Bei allen Abwägungen zum zeremoniellen Rahmen der Krönung entschieden sich Friedrich und seine Berater aus guten Gründen für eine Salbung. Die Salbung war ein historisches und traditionelles Symbol der königlichen Würde. Sie verlieh dem neuen Königtum eine Endgültigkeit und wirkte Einsprüchen entgegen. Außerdem durften nur gesalbte Könige den Titel Sacra Majestas tragen und hatten Vorrang vor ‚gemeinen‘, ungesalbten Königen.


Aufnahmen der Schlosskirche in Königsberg von 1903. bpk

Tafel 19


Die öffentliche Inthronisation

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Allegorische Botschaft

Auf den Lehnen der Thronstühle befanden sich allegorische Figuren, die den Eigenschaften von König und Königin entsprechen sollten. Auf Seiten des Königs hielten die Weisheit und Stärke eine goldene Krone über sein Haupt, während bei der Königin die Gottesfurcht und Gerechtigkeit dargestellt waren.

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Mit Eintrittskarten zum großen Ereignis

Für Bürger aus der Stadt, die nicht zum Hofstaat gehörten, waren Plätze auf der obersten Empore vorgesehen. Die Eintrittskarten waren einige Tage zuvor ausgegeben worden.


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Allegorische Botschaft

Auf den Lehnen der Thronstühle befanden sich allegorische Figuren, die den Eigenschaften von König und Königin entsprechen sollten. Auf Seiten des Königs hielten die Weisheit und Stärke eine goldene Krone über sein Haupt, während bei der Königin die Gottesfurcht und Gerechtigkeit dargestellt waren.

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Mit Eintrittskarten zum großen Ereignis

Für Bürger aus der Stadt, die nicht zum Hofstaat gehörten, waren Plätze auf der obersten Empore vorgesehen. Die Eintrittskarten waren einige Tage zuvor ausgegeben worden.



Die Bedeutung der Salbung

Auch auf diesem Kupferstich wird der Innenraum der Schlosskirche gezeigt – dieses Mal vom Altar her mit Blick auf König und Königin nach erfolgter Salbung. Damit werden der Salbung zwei Kupferstiche gewidmet, während die Krönung in einer Sammeldarstellung verarbeitet wird (siehe Tafel 2). Außerdem übertrifft auch die Zuschauermenge bei der Salbung das kleine höfische Publikum bei der Krönung. Obwohl die Salbung in der zeitlichen Abfolge gegenüber der Krönung zeremoniell herabgestuft worden war und die Selbstkrönung hohen Symbolwert hatte, legen die Kupferstiche den Fokus auf die Salbungszeremonie. Diese fand auch in der Berichterstattung von der preußischen Krönung den größten Widerhall.

Das Publikum

Bei der Salbung waren Vertreter des kaiserlichen, englischen, dänischen, polnischen, hannoverschen und kasselschen Hofes dabei. Ihre Anwesenheit war von großer Bedeutung, stand sie doch für die rasche Anerkennung der preußischen Königswürde durch die europäischen Fürsten. Es fehlten jedoch die jeweiligen Gesandten des französischen Königs und des bayerischen Kurfürsten, die die Rangerhöhung erst 1713 beziehungsweise 1714 anerkannten. Auch der Papst und der Hochmeister des Deutschen Ordens erkannten die preußische Standeserhöhung zunächst nicht an. Außerdem wird deutlich: Trotz der Vertreter fremder Höfe handelte es sich in erster Linie um ein preußisches Ereignis mit nur wenigen hochrangigen auswärtigen Gästen.

Tafel 20


Das Auswerfen der Krönungsmünzen
und Preisgeben des Tuchs

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Die Kosten der Krönungsfeierlichkeiten

Um die Ausgaben für die Krönungsfeierlichkeiten zu decken, wurde eine einmalige Kronsteuer erhoben, die 500.000 Taler einbrachte. Das konnte die Gesamtkosten der Krönung jedoch nicht decken. Sie beliefen sich Schätzungen zufolge auf etwa 6 Millionen Taler – das Doppelte der jährlichen Einnahmen der Hohenzollern. Drei Fünftel dieser Summe wurden allein für die Krone der Königin ausgegeben.


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Die Kosten der Krönungsfeierlichkeiten:

Um die Ausgaben für die Krönungsfeierlichkeiten zu decken, wurde eine einmalige Kronsteuer erhoben, die 500.000 Taler einbrachte. Das konnte die Gesamtkosten der Krönung jedoch nicht decken. Sie beliefen sich Schätzungen zufolge auf etwa 6 Millionen Taler – das Doppelte der jährlichen Einnahmen der Hohenzollern. Drei Fünftel dieser Summe wurden allein für die Krone der Königin ausgegeben.



Nach dem Auszug aus der Schlosskirche begab sich die Prozession wieder ins Schloss. Das rote Tuch, über das der König geschritten war, wurde anschließend der Menge überlassen. Auf Friedrichs Geheiß warf der Hofrat Friedrich Wilhelm Stosch Gold- und Silbermünzen im Wert von mehr als 6.000 Reichstalern auf dem Schlossplatz aus.

Dies war traditioneller Bestandteil des Krönungszeremoniells im Reich. Die Münzen wurden eigens zu diesem Anlass mit dem Bildnis Friedrichs geprägt.

Die aufgeregte Gestik und begeisterte Mimik der dargestellten Personen steht im Gegensatz zu der vornehmen, zurückhaltenden Gestaltung der anderen Tafeln und drückt den Unterschied zwischen den Ständen aus.

Tafel 21


Der gebratene Ochse
und zwei Weinbrunnen

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Das Festmahl

Für den ersten Gang an der königlichen Tafel schneiden zwei Hofmarschälle ein Stück Fleisch, um es dem König zu bringen. Der gebratene Ochse war mit kleinen Tieren gefüllt.


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Das Festmahl

Für den ersten Gang an der königlichen Tafel schneiden zwei Hofmarschälle ein Stück Fleisch, um es dem König zu bringen. Der gebratene Ochse war mit kleinen Tieren gefüllt.



Während sich König und Königin mit ihren Gästen zum Krönungsmahl begaben, wurden auf dem Schlossplatz zwei große Weinbrunnen und ein Ochse unter die Menge gebracht. Damit sollte die Wohltätigkeit des Königs für alle seine Untertanen betont werden. Wie schon zuvor ist die Szene lebendig dargestellt. Bemerkenswert ist die Darbringung des Ochsen parallel zur Königlichen Tafel und nicht erst anschließend.

Abreise

Auf den Tag der Krönung folgten weitere Feierlichkeiten. Der König blieb bis März in Königsberg und reiste dann nach Brandenburg zurück. In Berlin wurde unterdessen an der Kulisse für den prachtvollen Einzug des Königs in Berlin am 6. Mai 1701 gearbeitet.