Geteilte Stadt – geteilte Presselandschaft
Die Medienlandschaft der geteilten Stadt Berlin spiegelte den Kalten Krieg wider. In den westlichen Gebieten herrschte Pressefreiheit, und die Printmedien mussten sich dem wirtschaftlichen Konkurrenzkampf um hohe Auflagen und Werbeeinnahmen stellen. Im Osten erschienen unter anderem Neues Deutschland als offizielles Zentralorgan der SED, die Berliner Zeitung, die 1945 als erste Nachkriegszeitung gegründet wurde und die Junge Welt, eine auflagenstarke Tageszeitung der FDJ (Freie Deutsche Jugend).
Verkauf der ersten Ausgabe der Berliner Zeitung, 1945, Fotograf:in: unbekannt, bpk-Fotoarchiv.
In der S-Bahn wird die Berliner Zeitung mit der Schlagzeile „Der Weg zur Lösung der Berlin-Frage” gelesen, 1957/1958, Fotograf: Konrad Hoffmeister, bpk-Fotoarchiv.
Titelseite der ersten Ausgabe der Berliner Zeitung vom 21. Mai 1945.
Rein zahlenmäßig gab es eine reichhaltige Presselandschaft in der DDR. Anfang der 1980er Jahre erschienen dort 39 Tageszeitungen, 30 Wochen- und Monatszeitschriften. Mitte der 1980er Jahre steckten in den meisten Briefkästen jeden Tag ein oder zwei Zeitungen.
Foto-Reportage „Die Presse in der Deutschen Demokratischen Republik”, Bildunterschrift: „Hunderttausende von Exemplaren des Neuen Deutschlands werden jede Nacht von dieser modernen Rotationsmaschine ausgestoßen”, vgl. DDR im Aufbau 2/1955, S. 30, Fotograf: Herbert Fiebig, bpk-Fotoarchiv.
Rotationsdruckmaschine zum Zeitungsdruck, Fotograf: Herbert Fiebig, bpk-Fotoarchiv.
„Die Nationalzeitung wird versandfertig gemacht. Per Bahn oder Lastkraftwagen geht sie hinaus in die Bezirke der Republik”, Fotograf: Herbert Fiebig, bpk-Fotoarchiv.
Die Presse in der DDR war jedoch nicht unabhängig sondern ein wesentlicher Bestandteil des staatlich organisierten Informationssystems. Sie diente vor allem der Verbreitung der offizielle Ideologie der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und der Legitimation politischer Entscheidungen. Gleichzeitig bot sie den Leser:innen Orientierung in Alltagsfragen, Kultur und Bildung, wobei die Berichterstattung stark an die laufende Parteipolitik gebunden war.
Pressekonferenz im Haus der Ministerien in der Leipziger Straße für Mitarbeiter der SED-Parteipresse, 10.01.1950, Fotograf: Herbert Hensky, bpk-Fotoarchiv.
Informationstafel der SED Ortsgruppe Linde an einem Bretterzaun und Aushang der Parteizeitung „Neues Deutschland”, Juli 1950, Fotograf: Herbert Hensky, bpk-Fotoarchiv.
Jede Woche wurden die Chefredakteure in die aus SED-Sicht relevanten Themen eingewiesen – auch darin, worüber nicht zu berichten sei. So nahm die SED Führung massiv auf Inhalt und Erscheinungsform der Presse Einfluss, bis hin zur Vorgabe konkreter Formulierungen. Dies machte sich auch im öffentlichen Raum bemerkbar.
Pressefest der Zeitung „Neues Deutschland”, Juni 1971, Fotograf: Horst E. Schulze, bpk-Fotoarchiv.
Warschauer Maurer demonstrieren auf einer Baustelle in der Stalinallee ihre vermeintlich schnellere Methode des Mauerns. Im Hintergrund Werbung für die Parteizeitung Neues Deutschland, April 1952, Fotograf: Herbert Hensky, bpk-Fotoarchiv.
Obwohl sich die Vorgaben an der Textberichterstattung ausrichteten, sind auch politische Bildmuster wahrnehmbar. Die Fotografien in DDR-Tageszeitungen gleichen sich alle auf eigenartige Weise, unabhängig davon, ob man sich Ausgaben von 1949 oder 1969 ansieht. Bilder des aufmerksamen Lesens, vor allem in Gemeinschaft, wurden zu Chiffren für das Interesse an den staatlichen Leitlinien und deren Unterstützung. Fotograf:innen wie Herbert Hensky setzten dies mehrfach in Szene. Selbst in den archivierten Bildinformationen spiegelt sich der Arbeitskontext sprachlich wider.
Helfer des Nationalen Aufbauprogramms haben sich in einem Dorf in Brandenburg versammelt, um sich gemeinsam in der Parteizeitung der SED, Neues Deutschland, über das Aufbauprogramm zu informieren, November 1952, Fotograf: Herbert Hensky, bpk-Fotoarchiv.
Neues Deutschland – Titelseite vom 14. August 1961 mit Bericht zum Mauerbau, hier genannt „Maßnahmen zum Schutz des Friedens und zur Sicherung der Deutschen Demokratischen Republik”.
Nach der Wende von 1989/1990 erfuhr das Pressewesen einen rasanten Wandel: Öffnung, Liberalisierung und Privatisierung brachten eine neue Vielfalt publizistischer Stimmen und einen kritischeren Journalismus in die Redaktionen sowie die Logik des Marktes. Westdeutsche Verlage drängten mit ihren Redaktionen nun auch in Richtung der neuen Leserschaft. Viele Zeitschriften aus der DDR wurden indes eingestellt.
Historische Jahrgänge der einflussreichen Tageszeitung Neues Deutschland (ND) der DDR oder ihres Hauptstadt-Ablegers Berliner Zeitung sind heute über die Staatsbibliothek Berlin bis 1990 digital abrufbar.
Sonderausgaben West-Berliner Zeitungen für Besucher:innen aus der DDR stapeln sich am Potsdamer Platz, 17.11.1989, Fotograf: Dietmar Katz, bpk-Fotoarchiv.



![Reportagetitel: „Zeitungswesen [Die Presse in der Deutschen Demokratischen Republik]”](https://digitalerguide.stabi-kulturwerk.de/wp-content/uploads/2026/06/m_30047577-707x1030.jpg)

![Reportagetitel: „Zeitungswesen [Die Presse in der Deutschen Demokratischen Republik]”](https://digitalerguide.stabi-kulturwerk.de/wp-content/uploads/2026/06/m_30047578-706x1030.jpg)






