Kurioses und Absurdes in der Zeitschriftenkultur: Aprilscherze
Aprilscherze in Zeitschriften sind Teil einer Presse-Tradition, die Spielraum für Humor, Ironie und politische Kritik schafft. In vielen Heften dienten sie dazu, Aufmerksamkeit zu gewinnen, Leserinnen und Leser zu überraschen. Sie war mit dem kalendarischen Datum zum 1. April eine gezielte Ausnahme innerhalb der seriösen, nachrichtlichen Berichterstattung.
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„Farben mit tieferem Sinn”, in: Neue Zeit, Donnerstag 1. April 1965, Nr. 77, Seite 8.
Seit 1903 publizierte die B.I.Z. fotografische Aprilscherze. Als Erfinder dieser besonderen Form der Magazinillustration gilt der Berliner Fotograf Georg Busse. Seine Fotomontagen, die er als freier Mitarbeiter der B.I.Z. lieferte, zeigen die kunstvolle Zusammenstellung von Bildelementen zur Idee des jeweiligen Scherzes.
Die Montagen von Georg Busse erschienen erstmalig in einer als „Erste April-Nummer 1903“ ausgewiesenen Ausgabe. Angekündigt als „Berlins neueste Sensation“, zeigt Busse den Seiltänzer Otto Kornemann, der „eine riesige Verkehrsstockung hervorrief“.
Historisch spiegeln Aprilscherze den jeweiligen Zeitgeist wider: Technologische Neuerungen, Tiere oder bizarre Ereignisse wurden als plausible Meldungen ins Blatt gesetzt, um die Skepsis der Leserinnen und Leser herauszufordern. Amerikanische Experimente mit radioaktivem Düngemittel und einem Ertrag von über drei Meter hohem Weizen, why not?
„Erste praktische Erfolge radioaktiven Düngemittels“, B.I.Z. Ausgabe vom 1. April 1910 (Innenteil).
Die Kunst bestand darin, den richtigen Ton zu treffen: glaubwürdig genug, um für Verwirrung zu sorgen, aber transparent genug, um niemanden ernsthaft zu täuschen. Die Klarstellung erfolgte oftmals in der nächsten Ausgabe.
Aprilscherz und Auflösung:
„Nach dem Z- der D-Wagen”, in: Berliner Zeitung, Sonntag 31. März 1957, Nr. 77, Seite 8.
„Der D-(enkste) Wagen”, in: Berliner Zeitung, Dienstag 2. April 1957, Nr. 78, Seite 6.
Ein typischer Aprilscherz enthielt oft eine Mischung aus Text, Bild und Layout-Verfremdungen: Bilder in einem klassischen Nachrichtenlayout verstärkten den Effekt der Glaubwürdigkeit. Falsche Bildunterschriften oder Bildmontagen dienten als Beleg. Davon zeugen Rückmeldungen in den Zeitschriften.
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Aprilscherz und Auflösung:
„Vor neuen Flitterwochen”. in: Neues Deutschland, Freitag 1. April 1955, Nr. 77, Seite 6.
„Brief aus dem Stadtbad Mitte”, in: Neues Deutschland, Samstag 2. April 1955, Nr. 78, Seite 8.


Retuschierte und collagierte Bilder von vermeintlichen Ereignissen wirken durch den Druck in der Zeitschrift und durch die mangelhafte Druckqualität als homogenes Bild.
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Aprilscherz und Auflösung:
„Von einem sensationellen Vorhaben”, in: Berliner Zeitung, Freitag 1. April 1966, Nr. 91, Seite 12.
„April April…”, in: Berliner Zeitung, Samstag 2. April 1966, Nr. 92, Seite 8.


Die Leserinnen und Leser sollen kurz innehalten, lachen oder staunen, und danach eine klare Abgrenzung zwischen Ernst und Spaß vorfinden. Aprilscherze erinnern daran, wie wichtig Humor in der Berichterstattung ist, und wie selektive Skepsis die Medienkompetenz stärkt, ohne den Spaß am Lesen zu nehmen.
„Der große Transport der Hagenbeckschen gezähmten Tiere vom Lehrter Bahnhof zum Zirkus Busch“, B.I.Z. vom 1. April 1904 (Innenteil).
Bei diesem Aprilscherz war die „Neue Zeit“ ihrer Zeit weit voraus. Denn das generelle Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden in Deutschland wurde im Wesentlichen erst im September 2007 durch das Bundesnichtraucherschutzgesetz eingeführt.
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Aprilscherz und Auflösung:
„Glimmstengel nicht gefragt”, in: Neue Zeit, Samstag 1. April 1967, Nr. 76, Seite 12.
„April – April”, in: Neue Zeit, Sonntag 2. April 1967, Nr. 77, Seite 8.







